Artikel
Ein Drahtseilakt mit Hubschrauber - Online-Artikel auf morgenweb.de
Transskription des Online-Artikels "Ein Drahtseilakt mit Hubschrauber" von Dirk Rosenberger, erschienen am 13. Oktober 2010 auf morgenweb.de.
Ein Drahtseilakt mit Hubschrauber
Stromnetz: Arbeiten an Spannungsleitungen über der Erlache
Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger
Bensheim. Einen spektakulären Seiltanz vollführte ein Hubschrauber am Montag in der Nähe des Naturschutzzentrums an der Erlache. Bis auf Armlänge manövrierte der Pilot an die Leitungen eines Hochspannungsmastes heran und hielt minutenlang die Position.
Eine Herausforderung für Mensch und Maschine und notwendig, um die Voraussetzungen für einen luftigen Arbeitsplatz zu schaffen. Denn aus der geöffneten Tür des Hubschraubers schob sich ein Brett, auf dem ein Monteur saß. Die Beine baumelten in der Luft, eine Hand befand sich am obersten Kabel - kein Job für Leute mit Höhenangst. Mit einem starken Seil ist der "Überflieger" gesichert, Gurte, Helm und Funkverbindung gehören zur Standardausrüstung.
Blitzschutz wird erneuert
Vom Boden aus verfolgten interessierte Beobachter den Einsatz und rätselten über die Hintergründe. Dr. Andreas Preuß, Pressesprecher der Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund, klärte gestern auf Nachfrage auf. "Es handelte sich um Arbeiten am Blitzschutz." Eine Routineaufgabe, die trotz allem niemals Routine ist. Das oberste Kabel der stählernen Giganten muss - im übertragenen Sinne - den Kopf hinhalten, wenn Gewitter toben.
Mit der Zeit und zunehmenden Blitzeinschlägen machen sich allerdings Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Von den Leitungen hängen dann Alufäden herunter, die wieder auf Linie gebracht, sprich repariert, werden müssen. "Das ist mit einem Hubschrauber günstiger als von unten mit einem Hubsteiger", so Preuß. Zumal in manchen Gegenden, wie an der Erlache, ein Zugang nur von oben möglich ist.
Weiter unter Spannung
Ein weiterer Vorteil: Wird mit Luftunterstützung gearbeitet, braucht der Saft nicht abgedreht werden, die Leitungen können während des Vorhabens unter Spannung stehen. Am Montag fand das Team an der Bergstraße gute Voraussetzungen für die Instandsetzung vor. Kein Regen, keine böigen Winde - das erleichterte die Arbeit. Bei schlechtem Wetter können die Flüge nicht unternommen werden.
Mit insgesamt 11 000 Kilometern betreibt Amprion das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland. Von Niedersachsen bis zu den Alpen werden mehr als 27 Millionen Menschen versorgt. Alle fünf Jahre wird jeder Freileitungsmast überprüft, sofern nicht vorher Schäden auftreten.
Die RWE-Tochter arbeitet mit der Rotorflug GmbH zusammen, die in der Nähe von Frankfurt einen Standort hat. Die Firma hat sich deutschlandweit auf diesen Service für Energieunternehmen spezialisiert. Über Bensheim war eine zweimotorige Agusta A109 A2 mit Einziehfahrwerk im Einsatz. Das Fluggerät wird von zwei 420 PS starken Turbinen angetrieben und ist präzise zu lenken.
- Links zum Thema:
- www.morgenweb.de/service/archiv/artikel/690227816.html








