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Inspektion mit dem Hubschrauber - Onlineartikel auf derwesten.de
Transskription des Online-Artikels "Inspektion mit dem Hubschrauber" von Michael Turek, erschienen am 06.10.2011 auf derwesten.de
Inspektion mit dem Hubschrauber
Wesel, 06.10.2011, von Michael Turek
Kreis Wesel. Monteure lassen sich von Mast zu Mast fliegen. Aus der Luft kontrollieren sie die Überlandleitung. Die NRZ flog mit.
Marc Menke holt einen kleinen Abzieher raus, geht damit über die Scheibe. Einen Scheibenwischer hat sein Gefährt nämlich nicht. Doch eine freie Sicht ist für ihn sehr wichtig. Menke ist Pilot und bringt mit seinem Hubschrauber Monteure des Stromlieferanten RWE ganz nah ran an Überlandleitungen. Gestern stand für ihn sowie die beiden Monteure Jürgen Kleinherbers und Christoph Wefelnberg wieder ein solcher Kontrollflug an. Die NRZ flog eine Runde mit.
Der Blick von Marc Menke geht nach oben. Der Regen lässt langsam nach. Es ist zwar windig, aber dennoch kann gestartet werden. Von einer Wiese am Umspannwerk Obrighoven steigt der Hubschrauber in die Höhe. Schnell sind die Baumwipfel erreicht. Freier Blick über die Region, und es wird deutlich: Die Masten und Leitungen gehen in alle Himmelsrichtungen.
Menke steuert den Hubschrauber in Richtung neue Rheinbrücke, entlang der Lippe fliegt er. Ganz langsam, parallel zur Stromleitung, damit die Monteure eine gute Sicht haben. Neben den Masten lässt er den Hubschrauber in der Luft stehen. Nun nehmen die Monteure die Isolatoren unter die Lupe.
Es geht darum, Schäden zu entdecken. Oder ob Vögel vielleicht die Masten nutzen, um Nester zu bauen. Schäden können von einem Blitzeinschlag verursacht werden, aber auch von verirrten Kugeln, die Jäger abgefeuert haben.
Den Isolatoren gilt die besondere Aufmerksamkeit. Schäden an der Keramik können dazu führen, dass Feuchtigkeit eindringt. Die Folge könnte sein, dass kein Strom mehr fließt. „Wir hatten auch Fälle, in denen Jäger in die Isolatoren reingeschossen haben“, berichte Menke. Gleiches haben sie bei den roten und weißen Flugwarnkugeln entdeckt, die zum Beispiel an Überlandleitungen entlang von Autobahnen zu entdecken sind.
Mast um Mast fliegt das Trio ab. Damit die beschädigten Masten identifiziert werden können, sind sie mit einem Zahlencode versehen. Zusätzlich haben sie bei einem Anstrich gelbe und rote Markierungen erhalten. So kann im Untersuchungsbericht genau die Seite angegeben werden, auf der die Monteure einen Schaden entdeckt haben.
Nach und nach lässt das Unternehmen RWE bundesweit alle Überlandleitungen abfliegen. „Das ist die schnellste Art der Kontrolle“, berichtet Kleinherbers. In bestimmten Fällen werden so auch Reparaturen durchgeführt. Dann kommt ein größerer Hubschrauber zum Einsatz. Er bleibt in der Luft stehen, und die Monteure können den Schaden beheben.
Wir fliegen tief, wir sind langsam und suchen Hindernisse.
Ein weiteres Augenmerk legen die „Flieger“ auf Bäume. „Wir achten darauf, dass sie nicht zu nah an die Leitungen herangewachsen sind“, berichtet Pilot Marc Menke, der seit 2009 für RWE die Kontrollflüge durchführt. Langweilig sei es nicht. Jeweils zweimal drei Stunden sei man in der Luft. Aber gerade im Sommer, wenn es in der Kabine des Hubschraubers über 30 Grad warm wird, sei es anstrengend. „Wir machen das, wovor die Fluglehrer immer warnen: Wir fliegen tief, wir sind langsam und suchen Hindernisse.
“Die Leitung entlang der Lippe ist untersucht worden. Unten sind Weiden und Äcker, auf einigen sind Tiere. Um sie nicht zu verschrecken, ist die Crew vorsichtig. Man achte darauf, wie sich die Tiere verhalten, sagt Menke. Merkt die Besatzung, dass Kühe oder Pferde panisch reagieren, lässt sie auch schon mal das eine oder andere Feld aus.
Bei dieser Tour sind keine Schäden entdeckt worden. Marc Menke landet den Hubschrauber wieder auf dem Gelände des Umspannwerkes. Falls das Wetter mitspielt, ist er mit seinem Hubschrauber in der nächsten Woche wieder in Wesel, um weitere Leitungen zu kontrollieren.
Auch Kontrollgänge zu Fuß.
Neben der Kontrolle aus der Luft finden auch regelmäßig Begehungen statt. Dann werden die Trassen zu Fuß abgelaufen. Es wird kontrolliert, ob die Fundamente der Masten noch in Ordnung sind. Gibt es eventuell Schäden, weil jemand gegen einen Mast gefahren ist? Dann wird auch der Bewuchs beobachtet, um Bäume rechtzeitig zurückschneiden zu können. Und alle fünf Jahre müssen die Monteure rauf auf die Masten und sich die Stahlkonstruktionen von oben bis unten prüfend genau anschauen.Michael Turek / 06.10.2011 / derwesten.de








