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Kahla: Fliegende Säge - Online-Artikel auf tlz.de
Transskription des Online-Artikels "Kahla: Fliegende Säge" von Angelika Schimmel, erschienen am 16.12.2010 auf tlz.de.
Kahla: Fliegende Säge
Mit Helikoptersäge, schwerer Forsttechnik und Muskelkraft wurde im Wald im Leubengrund aufgeräumt. Schneebedeckte umsturzgefährdete Bäume mussten gestutzt werden. Pilot Jürgen Schütz und seine kleine Mannschaft von der Koblenzer Firma Rotorflug waren mit ihrem Helikopter "Bell 206 L" unterwegs.
Kahla. Man fühlte sich ein wenig an den James Bond-Streifen "Die Welt ist nicht genug" erinnert gestern im Leubengrund. In dem Action-Klassiker wird ein schnittiges Auto mit einer "fliegenden Säge" in zwei Hälften geteilt. Im Leubengrund allerdings kam das kraftvolle und effektive Werkzeug zum Einsatz, um schneebedeckte und daher umsturzgefährdete Bäume zu stutzen.
Bereits am Montag und gestern noch einmal ab etwa 10 Uhr waren Pilot Jürgen Schütz und seine kleine Mannschaft von der Koblenzer Firma Rotorflug mit ihrem Helikopter "Bell 206 L" in dem ansonsten idyllischen Tal bei Kahla unterwegs. "Wir kommen direkt aus Neuhaus, am Montag sind wir hier zwei Einsätze geflogen im vorderen Bereich des Tals, doch wir haben nicht alles geschafft", erklärte Schütz. Aufgabe der kleinen Crew war es, im Auftrag des Stromversorgers Eon, die vom nassen Schnee schweren, überhängenden Äste im Bereich einer 20 kV-Freileitung zu entfernen. Durch sie war es in den vergangenen 14 Tagen im Leubengrund schon mehrfach zu Stromausfällen gekommen. "In der Vorwoche waren wir schon einmal hier, um den Schnee von den Bäumen zu fegen, doch das hatte nicht den erhofften Erfolg", erklärt er. Zwar war allein durch den Abwind der Rotorblätter des Hubschraubers eine Menge Schnee von den hohen Bäumen gefallen, doch der Winter hatte für Nachschub gesorgt. Deshalb musste gestern Kahla noch einmal angeflogen werden. Diesmal montierten Schütz Helfer gleich die riesige Säge, die an einem Gestänge hängend etwa 30 Meter unter dem Helikopter die gefährlichen Bäume "rasiert". Die "fliegende Säge" sei eine Eigenentwicklung seiner Firma, berichtet Schütz. Acht Sägeblätter, jedes mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern, rotieren gegenläufig und stutzen so überhängende Äste in der Nähe der Stromleitung. Die ganze Konstruktion wiege etwa 500 Kilogramm. Vom Piloten verlangt der Flug mit dem senkrecht hängenden gefährlichen Werkzeug absolutes Können und Fingerspitzengefühl. Und "vor allem eine ruhige Hand", gesteht Schütz. Dass dies bei den aktuellen Minusgraden, dem Wind, den die Rotorbewegungen verursachen, und den dadurch erzeugten Schneewirbeln kein Kinderspiel ist, weiß, wer den Piloten und seinen Co-Piloten Benjamin Reichmann beobachtet. Die Türen ihres Helikopters sind ausgebaut, "um das Gewicht zu verringern". Um die Säge exakt steuern zu können, müssen sich beide beim Flug aus dem Helikopter herauslehnen. "Es ist nicht gefährlich hier, aber anspruchsvoll ist es schon", räumt der Pilot ein. "Ihr habe hier sehr hohe Bäume, die an sehr steilen Hängen stehen und noch dazu zu dicht an der Stromleitung", sagt er lachend und verabschiedet sich, um die am Boden stehende Säge zu inspizieren.
Dass die Bäume zu dicht an der Stromleitung stünden, sei nicht das große Problem, entgegnet Karsten Fischer von Eon Saalfeld, der mit dem Rotorflug-Team eng zusammenarbeitet. "Hier sind Bäume aus der fünften und sechsten Reihe umgestürzt und haben die vorderen mitgerissen", erklärt er die Ursache für beschädigte Strom- und Telefonleitungen.
Hunderte Bäume sind im Leubengrund umgestürzt oder mussten in den vergangenen Tagen von den Forstarbeitern gefällt werden. "20 Prozent der Bäume hier sind weg, manche der Kiefern waren 80 Jahre alt" beschreibt Waldbesitzer Ulrich Bickardt aus Lindig das Ausmaß der Schäden. "Die alten Leute sagen, so etwas Dramatisches hat es zuletzt in den 40-er Jahren gegeben", ergänzt Forstmitarbeiter Mario Hudl. Mit vier Leuten, Kettensägen und viel Muskelkraft sowie der schweren Technik von Unternehmer Mario Schmidt mit seinem Harvester sorgt er dafür, dass Gefahr vorerst gebannt wird.
Angelika Schimmel / 16.12.10 / OTZ








