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Mit 25 km/h entlang an der Spannung - Online-Artikel auf derwesten.de
Transskription des Online-Artikels "Mit 25 km/h entlang an der Spannung" von Werner Riedel, erschienen am 22.08.2011 auf derwesten.de
Mit 25 km/h entlang an der Spannung
Lennestadt, 22.08.2011, Werner Riedel
Maumke. "Von oben sieht man einfach besser und mehr", begründete gestern RWE-Sprecher Christoph Brombach den Einsatz eines Helikopters zur Kontrolle der Überland-Stromleitungen.
Einmal pro Jahr werden die 110 000 Volt-Hochspannungsleitungen zu Fuß abgelaufen, einmal jährlich wird vom Hubschrauber aus auf Beschädigungen an Masten und Leitungen überprüft, alle fünf Jahre werden sämtliche Masten "abgestiegen", um die Gitterkonstruktionen samt Isolatoren hautnah in Augenschein zu nehmen.
In dem Gebiet zwischen südlichem Sauerland und Siegerland über Teile des Westerwaldes bis hin nach Bad Siegburg und Bonn immerhin 2500 Masten. Bei der derzeitigen Aktion, die angesichts der angesagten stabilen Wetterlage vom Herbst auf den August vorgezogen wurde, werden immerhin 4000 Kilometer Leitung überprüft.
Dabei erhalten die RWE-Mitarbeiter Thomas Schlechtriem und Mischa Loos massive Unterstützung von Marc Menke. Der Berufspilot aus Karlsruhe arbeitet bei der Firma Rotorflug in Friedrichsdorf bei Bad Homburg. 2001 hat Menke seinen Flugschein gemacht, ist seit 2009 bei der Leitungskontrolle für RWE im Einsatz. Und hat bei diesem hoch konzentrierten Job bisher mehr als 1300 Flugstunden zugebracht.
"Ohne Teamarbeit ginge gar nichts", ist sich das Trio einig. Drei Tage lang sind sie derzeit im Kreis Olpe unterwegs, um das Starkstromstromleitungsnetz von Altenkleusheim über Welschen Ennest und Altenhundem bis Maumke und das Repetal bis hin nach Drolshagen zu kontrollieren.
Scheinbar nur wenige Zentimeter von den Stromleitungen entfernt dreht sich der Rotor mit rasender Geschwindigkeit. Der Pilot beruhigt: "Wir halten jede Menge Sicherheitsabstand." Kontrolleur Schlechtriem hat bei einer Heli-.Geschwindigkeit von nur 25 km/h die sieben Leitungen fest im Blick. In die oberste schlägt als Erdseil schon mal ein Blitz ein. Damit schützt es die sechs stromführenden Leitungen. 22,1 Millimeter messen diese im Durchmesser. Im Inneren mit einer Stahlseele verstärkt leitet der äußere Alu-Mantel den Strom.
Selbst die kleinsten Unregelmäßigkeiten entgehen dem Team nicht. Während die RWE-Experten ihren Blick seitlich parallel auf die Leitungen richten sieht der Pilot mögliche Handicaps mit dem Blick nach vorn teilweise schon eher, macht den Kollegen darauf aufmerksam.
War das nun Schmutz oder ein Defekt? Der Helikopter näherte sich der Leitung noch mehr, steigt ein wenig. Schlechtriem greift zum Fernglas. Doch nur Dreck. Weiter geht’s. Umgekehrt sieht er bei einem Blick zum Boden, dass ein weißes Pony offenbar aus Furcht vor dem dröhnenden Hubschrauber in wilden Sätzen davon saust. Schon steigt das Fluggerät: "Wir wollen ja keine Tiere scheu machen", erklärt Tierfreund Menke.
Neben Masten und Leitungen werfen die Spezialisten einen Blick auf die Umgebung. Ist der Abstand von Ästen bzw. Baumspitzen zur Leitung zu gering? Dann müssen die Holzfäller herbei. Akribisch werden alle verdächtigen Beobachtungen in einem Logbuch notiert und später an die Kollegen des Serviceteams weiter geleitet. Schlechtriem und Loos wechseln sich ab, doch länger als sechs Stunden schaffen auch sie nicht. Dann lässt die Konzentration nach.








