Artikel
Stromleitung auf Augenhöhe - Zeitungsartikel in der Ludwigsburger Kreiszeitung
Transskription des Zeitungsartikels "Stromleitung auf Augenhöhe" von Eva Riefer, erschienen am 09.10.2010 in der Ludwigsburger Kreiszeitung.
Stromleitung auf Augenhöhe
Mitarbeiter der Firma Amprion kontrollieren die Trassen mit dem Hubschrauber
Ein Vogelnest hat auf dem Stromleitungsmast eigentlich nichts zu suchen. Auch defekte Isolatoren können für Probleme sorgen. Um Schäden an den Stromleitungen zu erkennen, haben sich Mitarbeiter des Netzbetreibers Amprion gestern in luftige Höhen begeben. Ein Kontrollflug des Hubschraubers führte von Hoheneck nach Besigheim.
Von Eva Riefer
Jürgen Lusmeier macht den Job als Meister im Leitungsbereich Ludwigsburg seit 23 Jahren. Er kennt die 61 Kilometer Stromleitungstrassen genau, die die Firma Amprion im Kreis Ludwigsburg unterhält. Die Höchstspannungsfreileitungen von 220 und 380 kV transportieren Strom über lange Strecken, insgesamt zieht sich das Netz der Dortmunder Firma von Meppen bis zur Schweizer Grenze. Um Industriebetriebe und Haushalte zuverlässig versorgen zu können, sollte es keine Störungen geben. Deshalb wird genau hingeschaut. "Einmal im Jahr fliegen wir die Leitungen ab, einmal gehen wir sie ab", erklärt Lusmeier. Gestern war der Hubschrauber im Einsatz. Von der Umspannungsanlage am Kugelberg bei Hoheneck ging es Richtung Besigheim.
Schwebeflug am Mast
Pilot Axel Beer bringt Lusmeier auf Augenhöhe mit den Leitungsseilen über dem Löchgauer Feld. Mit knapp 20 Stundenkilometern fliegt er die Trasse entlang, während der Meister die kritischen Punkte abcheckt.
"Ein Vogelnest im gelben Bereich, eins im roten", entdeckt er an einem Strommast und notiert den Standort auf seinem Klemmbrett. Sobald die Tiere das Nest aufgegeben haben, wird ein Monteur hinaufsteigen und es entfernen. "Wenn es sich im Winter mit Wasser vollsaugt und durchsackt, kann das ärgerlich werden", erklärt Lusmeier. Beim Husarenhof sieht er Bäume, die nahe an die Leitung gewachsen sind. "Im Sommer brauchen wir einen Sicherheitsabstand von fünf Metern", erläutert er - mit der Naturschutzbehörde und dem Besigheimer Stadtgärtner wird er sich also bald wieder zusammensetzen und überlegen, wie die Bäume möglichst schonend zurückgenommen werden können.
Manchmal kommt es vor, dass Jäger mit ihren Kugeln nicht Vögel treffen, sondern die Isolatoren an Strommasten, erzählt Jörgen Lusmeier durch den Bordfunk. Doch die meisten Schäden werden durch Gewitter verursacht. Ein spezielles Seil zwischen oder oberhalb der Leitungen soll Blitzschläge einfangen - manchmal trägt es dabei aber einen Schaden davon.
Auch diese markiert Lusmeier auf seinem Formular. "Einige werden später ebenfalls aus einem Hubschrauber heraus repariert", erzählt er, während Axel Beer die Maschine 30 Meter über dem Boden schweben lässt.
Netz durch Deutschland
Im Laufe der nächsten Monate werden die Schäden behoben, die Lusmeier auf dem Kontrollflug entdeckt hat. Ingesamt 63 Mitarbeiter beschäftigt Amprion in Süddeutschland, zehn sind in Hoheneck stationiert. Für die Instandhaltung und den Ausbau aller Leitungen im bundesweit 11000 Kilometer langen Netz sind pro Jahr 300 Millionen Eure eingeplant, sagt Klaus Steffen aus der Planungsabteilung. Die Hochspannungsleitungen mit 380 und 220 kV sind vor allem darauf ausgelegt, Strom über weite Strecken zu transportieren. Andere Leitungen im Kreis Ludwigsburg werden beispielsweise von EnBW oder der Süwag betrieben.








