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Kontrollflug: Seitenblicke auf 380 000 Volt. Mit Video - Online-Artikel auf solinger-tageblatt.de

24.09.2011 18:30

Transskription des Online-Artikels "Kontrollflug: Seitenblicke auf 380 000 Volt. Mit Video" von Uli Preuss, erschienen am 24.09.2011 auf solinger-tageblatt.de.

Kontrollflug: Seitenblicke auf 380 000 Volt. Mit Video

von Uli Preuss - zuletzt aktualisiert: 24.09.2011

STARKSTROM Was sie von unten nicht sehen, schauen sich die RWE-Fachleute von oben an, bei Flügen über 1360 Hochspannungsmasten.

Screenshot des Artikels 'Kontrollflug: Seitenblicke auf 380 000 Volt.'.Gullivers Erben wachen in Michael Bechmanns Reich zwischen Ruhr und Sieg. Wie Riesenroboter sehen die gewaltigen Masten der Überlandleitungen aus. Wer die 110 Meter hohen Giganten von unten sieht, ist beeindruckt. Doch aus dem Helikopter wirken die Stromriesen wie zerbrechliche Streichholzbastelei.

Der starke Regen am Morgen hatte Pilot Marc Menke noch eine Pause aufgezwungen. Doch um 9.40 Uhr wirft der erfahrene Hubschrauberführer den Rotor seines „Babys“ an. Dankbar erwacht die Bell 206 Jetranger aus ihrer Nachtruhe und surrt erwartungsfroh in der nassen Morgenluft. Wir nehmen im Cockpit Platz, setzen Kopfhörer auf, und Marc Menke holt sich seine Startfreigabe beim nahen Tower des Flughafens Köln-Wahn. Der Rotor nimmt Fahrt auf.

Der Helikopter beginnt zu schwingen. Als müsse sich „die Bell“ erst noch den Schlaf aus den Rotorblättern schütteln, wackelt sie missmutig, um dann doch sanft aus dem nassen Gras abzuheben, den Riesen entgegen.

Stromleitungsflieger wie Michael Bechmann müssen ein scharfes Augen haben. Meist sitzen sie zu zweit hintereinander in der Bell, beobachten genau jedes Detail an Mast und Leitung, während Pilot Marc Menke im „Schritttempo“ von rund 25 Stundenkilometern langsam an den Starkstromleitungen entlangschwebt.

Bechmann ist Freileitungsmonteur bei RWE. Einer von diesen konditionsstarken Schwindelfreien, die in Kletterausrüstung gezwängt dahin steigen, wo Kilovolt und Co. ihre höchste Spannung haben. Bis zu 380 000 Volt können in schwindelerregender Höhe durchs tonnenschwere Stromkabel jagen.

Viel Energie für große Lebensräume: Was da oben nicht gewissenhaft gewartet wird, kann unten Stromausfälle in ganzen Stadtteilen bedeuten.

„Brütenden Vögeln schneiden wir die Nester frei.“

Monteur Sven Majhen

Schäden an Oberleitungen haben viele Väter. Blitzeinschlag, Eisbruch, Vogelnester oder Bäume, die nach den Frühjahrsstürmen in die Leitungen gefallen sind. Erfahrene Freileitungsmonteure erkennen die schlimmsten „Macken“ sofort, aber reagieren auf brütende Vögel eher behutsam. „Da schneiden wir schon mal die Nester frei und lassen die Falken und Elstern ihr Brutgeschäft verrichten“, erinnert sich Monteur Sven Majhen. Noch vor drei Wochen schnitt der 23-Jährige um ein Nest herum. Den Vogel schien es gar nicht zu stören. Sicherheit geht vor, aber bei RWE gehört auch Vogelschutz zum Alltagsgeschäft.
Michael Bechmann, den wir an diesem regnerischen Morgen im Umspannwerk Opladen treffen, repariert nicht nur, er kontrolliert auch. Von unten, in dem er mit Kollegen die Hochspannungsstraßen im ganzen Land abgeht, aber auch von oben per Helikopter, denn es gibt immer wieder Schäden, die man selbst per Fernglas vom Boden aus nicht sehen kann.

„In den kommenden zwei Wochen befliegen wir alle Leitungen“, freut sich der 44-Jährige auf einen abwechslunsgreichen Job. Alle fünf Jahre werden die Stromleitungen von oben durchgecheckt. Dabei ist Bechmanns Reich beileibe nicht klein. Geflogen wird von Bottrop bis Bergisch-Gladbach, von Duisburg bis Lüdenscheid.

Zahlen gefällig? 1360 Strommasten zwischen 110 und 30 Metern Höhe bei einer Trassenlänge von 350 Kilometern werden von den Opladener Monteuren gewartet und kontrolliert. Für den Vorarbeiter und seine drei Monteure bedeutet das zwei Wochen Dauerfliegerei. Dann erst zieht der Helikopter der Firma Rotorflug nach Wesel weiter.

Schon seit einer halben Woche arbeitet Marc Menke vom Umspannwerk Opladen aus. Zwei Tage ist der Pilot mit den Kontrolleuren des RWE bereits im Solinger Raum geflogen. An diesem Morgen geht es noch einmal in den südöstlichen Teil der Klingenstadt. Die Fachleute wollen einen letzten Blick auf die Leitungen zum Umspannwerk am Halfeshof werfen. Vorbei geht es an der Müngstener Brücke und schnurstracks auf den Halfeshof zu.

Nicht ganz. Eben hat Pilot Menke eine Pferdekoppel ausgemacht, greift seiner Bell in die „Zügel“ und fliegt sofort einen scharfen Bogen. „Pferde“, ruft er in unsere Kopfhörer, „reagieren sehr scheu, doch noch schlimmer sind Esel.“ Rücksicht müssen die Leitungsflieger nicht nur auf Vierbeiner nehmen. „Hin und wieder rufen Anwohner die Polizei“, wird mir Michael Bechmann später erklären. Dann ist die lautstarke Bell zu lange und zu tief auf einer Stelle geflogen. Trost für die Anwohner. Länger als ein paar Sekunden steht der Hubschrauber kaum über der Hofschaft. Zeit ist auch in der Luft Geld.

Pilot und Monteure halten drei Meter Abstand vom Starkstrom

Helikopter, die rund 200 Meter Höhe über Grund nicht unterfliegen dürfen, tauchen in der Leitungskontrollfliegerei am Mastwerk auf 30 Meter Höhe ab.

Die Sicherheit der Überlandleitungen hat Vorrang vor Bürgerwillen. Nicht auszudenken, wenn ein nicht entdeckter Schaden zum Abriss der aluminiumummantelten Stahlkernleitungen führen würde.

Vorsichtig ist Pilot Marc Menke dennoch. Damit der sprichwörtliche Funke nicht überspringt, hält er Abstand von den Leitungen, durch die immerhin bis 380 000 Volt fließen können. „Von einer Starkstromleitung müssen wir auch als Monteure mindestens drei Meter Abstand halten“, weiß Michael Bechmann und ist ganz zufrieden, dass er im ganzen Solinger Stadtgebiet keinen Schaden gefunden hat.

Es wird Herbst. Reparaturen bei Regen und Wind in schwindelerregender Höhe können jetzt ganz schön ungemütlich werden.